Endlich wieder schmerzfrei? Wie Somatic Experiencing (SE)® bei PTBS und Rückenschmerzen hilft

Viele Menschen mit chronischen Rückenschmerzen spüren: Der Körper tut weh – und gleichzeitig steckt in dieser hohen körperlichen Anspannung auch unaufgelöste seelische Belastung, Ängste und alte traumatische Erfahrungen.  Schmerzen und posttraumatische Belastungssymptome (PTBS) beeinflussen sich gegenseitig. Der Körper bleibt in Alarmbereitschaft, und Entspannung fällt schwer.

Eine dänische Studie hat nun untersucht, ob Somatic Experiencing (SE)® – eine körperorientierte Methode zur Traumabehandlung – helfen kann, wenn Rückenschmerzen und posttraumatische Belastungssymptome (PTBS) zusammen auftreten.

Die Studie: Was passiert, wenn man Körper und Psyche gemeinsam behandelt?

Die Studie wurde an der Universität Süddänemark durchgeführt. 91 Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und PTBS-Symptomen nahmen teil.

Die Teilnehmenden wurden in zwei Gruppen eingeteilt.
Die erste Gruppe erhielt die übliche physiotherapeutische Behandlung, also gezielte Rückenübungen unter Anleitung.
Die zweite Gruppe erhielt die gleiche Behandlung und wurde begleitend mit Somatic Experiencing (SE)® unterstützt – insgesamt erhielten die Teilnehmenden der zweiten Gruppe zwischen sechs und zwölf Sitzungen bei einer geschulten Therapeutin.

Die Forschenden überprüften die Ergebnisse vor der Behandlung und ein Jahr danach, um zu sehen, wie sich Körper und Psyche verändert hatten.

Somatic Experiencing (SE)®: Trauma über den Körper lösen

Somatic Experiencing (SE)® wurde von Dr. Peter Levine entwickelt und basiert auf der Annahme, dass Trauma vor allem im Nervensystem und im Körpergedächtnis gespeichert ist.
Anstatt traumatische Erinnerungen direkt kognitiv oder verbal zu bearbeiten (wie in der klassischen Traumatherapie), arbeitet SE™ mit langsamer, achtsamer Wahrnehmung von Körperempfindungen (Interozeption).

Ziel ist es, die Selbstregulation des autonomen Nervensystems wiederherzustellen, Übererregung (Hyperarousal) abzubauen und eingefrorene Stressreaktionen („Fight, Flight, Freeze“) sanft zu lösen.

In der Therapie lernen Menschen, ihre Körperempfindungen achtsam wahrzunehmen, innere Spannung zu regulieren und Schritt für Schritt wieder Vertrauen in ihren Körper zu gewinnen.

Die Ergebnisse: Weniger PTBS-Symptome, mehr Vertrauen in den Körper

Ein Jahr nach der Behandlung zeigten sich deutliche Verbesserungen, vor allem in der Gruppe, die zusätzlich SE™-Sitzungen erhielt:

Patient:innen, die zusätzlich Sitzungen in Somatic Experiencing (SE)® erhalten hatten, berichteten über deutlich weniger PTBS-Symptome als jene, die nur Bewegungstherapie bekamen. Diese Verbesserung war statistisch und klinisch signifikant.

Auch die Angst vor Bewegung nahm nur in der SE™-Gruppe spürbar ab. Viele Teilnehmende sagten, dass sie sich wieder sicherer in ihrem Körper fühlten und sich mehr zutrauten, aktiv zu sein.

Beide Gruppen erlebten weniger Schmerzen und körperliche Einschränkungen. Der Unterschied zwischen den Gruppen war in diesem Punkt aber gering.
Außerdem berichteten beide Gruppen, dass negative Gedanken über Schmerz im Laufe der Behandlung nachließen.

Was diese Ergebnisse für die Wirksamkeit von Somatic Experiencing (SE)® bedeuten

Die Studie zeigt, dass Somatic Experiencing (SE)® helfen kann, Traumafolgen zu verringern und die Angst vor Bewegung zu reduzieren – selbst bei Menschen, die seit vielen Jahren unter chronischen Schmerzen und Trauma leiden.

Viele Betroffene kennen das Gefühl, dass ihr Körper ständig „unter Strom“ steht oder dass jede Bewegung Angst auslöst. Schmerz kann sich anfühlen, als erinnere er ständig an das Erlebte.

Fazit: Hoffnung für Körper und Seele

Diese Studie zeigt, dass Somatic Experiencing (SE)® eine hilfreiche und wirksame Ergänzung sein kann, wenn Körper und Seele gleichzeitig betroffen sind.

Für Betroffene bedeutet das, dass SE™ helfen kann, sich wieder sicher im eigenen Körper zu fühlen, Ängste abzubauen, Lust an Bewegung wieder zu finden und besser mit (chronischen) Schmerzen umzugehen.

Für Therapierende bietet Somatic Experiencing (SE)® eine sanfte, körperorientierte Möglichkeit, das Nervensystem direkt anzusprechen und Menschen mit chronischem Schmerz und Trauma ganzheitlich zu begleiten.

Quelle

Andersen, T. E., Lahav, Y., Ellegaard, H., & Manniche, C. (2017).
A randomized controlled trial of brief Somatic Experiencing for chronic low back pain and comorbid post-traumatic stress disorder symptoms.
European Journal of Psychotraumatology, 8(1), 1331108.
https://doi.org/10.1080/20008198.2017.1331108